Ratgeber

Die 20 wichtigsten Arzneipflanzen im Portrait

Erkältungen, Magenverstimmung, Einschlafprobleme: viele Beschwerden lassen sich mit pflanzlichen Mitteln erfolgreich behandeln. Allerdings sind nicht alle Pflanzen, die in der Volksmedizin als "Heilpflanzen" gelten, anerkannte Arzneipflanzen, deren Wirksamkeit auch wissenschaftlich gesichert ist. In diesem Ratgeber stellen wir die bekanntesten Arzneipflanzen vor, die auch Apotheker zur Herstellung pflanzlicher Arzneimittel nutzen. Einige davon können auch im Gartenbeet, im Kübel und Blumentopf kultiviert werden.

Inhalt:

Arzneipflanzen, Heilpflanzen, pflanzliche Arzneimittel - was ist was?

Die Begriffe "Heilpflanze" und "Arzneipflanze" werden oft synonym verwendet, doch hat sich daneben auch eine sinnvolle Unterscheidung eingebürgert:

  • Demnach sind Heilpflanzen alle Pflanzen, die eine Heilwirkung haben oder haben sollen.
  • Arzneipflanzen sind dagegen nur solche Pflanzen, die auch Apotheker und Pharmahersteller verwenden, deren Wirkung also weitgehend gesichert ist - entweder durch wissenschaftliche Studien oder durch langzeitliche, gut belegte Erfahrungen.

Lässt man sich auf die Pflanzenmedizin ein und sucht geeignete Mittel, steht man allerdings vor einer überwältigenden Vielzahl von Produkten, die sich nicht an diese Unterscheidung halten. Zudem erleben Kräuterbücher und ganz allgemein die Kräuterkunde eine Renaissance, doch sollten nicht alle in der Kräuterheilkunde früherer Jahrhunderte empfohlenen Mittel im guten Glauben an deren Wirkung angewendet werden. Oft hat sich die Wirksamkeit nicht bestätigt oder die Wirkung war sehr schwach. Auch Risiken und Nebenwirkungen, die immer auftreten können, wenn ein Mittel wirkt, führten dazu, dass manche traditionellen Heilpflanzen durch andere Mittel ersetzt wurden.

Als kleine Orientierung im unübersichtlichen Reich der Arzneipflanzenprodukte kann vielleicht folgende Unterscheidung dienen:

  • Individuell zugelassene pflanzliche Arzneimittel: medizinisch allgemein anerkannt und gut mit wissenschaftlichen Studien belegt. Diese Produkte durchlaufen ein Antrags- und Zulassungsverfahren und haben eine Zulassungsnummer.
  • Pflanzliche Arzneimittel mit Standardzulassung: medizinisch anerkannt, die Zubereitungsform ist standardisiert vorgegeben. Diese Produkte haben eine Registrierungsnummer, manchmal auch eine Zulassungsnummer.
  • Traditionelles pflanzliches Arzneimittel: leitet sich aus langjähriger erfolgreicher Anwendungserfahrung ab. Keine Nummer in der Bezeichnung, sondern Verweise auf die traditionelle Nutzung.

Wie Sie sehen, handelt es sich bei dieser Einstufung immer um konkrete, aus den Pflanzen hergestellte Produkte, nicht um die Wirksamkeit der Pflanze insgesamt in allen erdenklichen Zubereitungen!

Einige pflanzliche Arzneimittel wirken so stark, dass sie vom Arzt verschrieben werden müssen. Die allermeisten sind frei verkäuflich, doch sind Produkte mit exakt dosierter, also weitgehend gesicherter medizinischer Wirkung oft apothekenpflichtig, da ihre Anwendung eine fachliche Beratung erfordert. Mittel gegen nur leichte Beschwerden, die keine Beratung brauchen, sind frei verkäuflich sowohl in Apotheken, als auch in Reformhäusern und Supermärkten.

Klassische Heilpflanzen werden auch als Lebensmittel und in Nahrungsergänzungsmitteln vertrieben. Hier sollte man bedenken, dass diese Produkte gerade keine Arzneimittel sind, sondern lediglich zur Ergänzung der Ernährung gesunder Personen gehandelt werden dürfen. Eine medizinische Wirkung ist nicht zu erwarten. Insbesondere ist es den Herstellern verboten, in ihrer Werbung Aussagen über die Heilung von Krankheiten zu machen.

Pflanzliche Arzneien selber herstellen?

Medizin aus dem eigenen Garten oder aus gesammelten Wildkräutern selbst herstellen - wäre das nicht schön? Aus guten Gründen wird bei den meisten Pflanzen davon abgeraten, insbesondere wenn es um innere Anwendungen geht. Ein selbst hergestelltes Johanniskraut-Öl als Massageöl kann nicht schaden, aber niemand möchte sich wohl selbst ein Herzmittel aus dem Fingerhut herstellen! Auch bei vermeintlich harmloseren Anwendungen ist immer zu bedenken, dass die Wirkstoffe der Pflanzen im eigenen Garten starken Schwankungen unterliegen und wir ihre jeweilige Konzentration gar nicht feststellen können.

Wir schließen uns daher dem Rat vieler Pflanzenkundler an, wirksame Arzneipflanzen und Zubereitungen aus ihnen besser in der Apotheke oder im Handel einzukaufen. Dennoch macht es natürlich Freude, bekannte Heil- und Arzneipflanzen im Garten, im Kübel oder Blumentopf zu kultivieren. In den folgenden 20 Kurzportraits finden Sie daher auch immer einen kleinen Tipp für den Eigenanbau.

20 Arzneipflanzen im Kurzportrait

Da es weit mehr Arzneipflanzen gibt, als in diesem begrenzten Ratgeber vorgestellt werden können, mussten wir uns auf eine kleine Auswahl beschränken. Um die Reihenfolge nicht als Bewertung erscheinen zu lassen, finden Sie die Pflanzen alphabetisch geordnet vor.

Hinweis: Die - zwangsläufig kurzen - Angaben zur Kultivierung im Gartenbeet, Kübel oder Blumentopf sind keine Empfehlungen zur Eigenproduktion der medizinisch wirksamen Bestandteile. Deren Qualität ist beim Eigenanbau schwankend und nicht sicher feststellbar. Für den Einsatz als Arzneimittel sind die Tees und Präparate aus Apotheken jedenfalls vorzuziehen, denn nur sie garantieren die Wirksamkeit und Reinheit der verwendeten Pflanzenteile und Zubereitungen.

1. Baldrian

Wirkung: beruhigend, entspannend, Stress mindernd, Schlaf fördernd

Der Echte Baldrian (Valeriana Officinalis) ist als Heilpflanze seit Jahrtausenden in Gebrauch. In der Antike und im Mittelalter nutzte man Zubereitungen aus Baldrian gegen alle erdenklichen Beschwerden und Krankheiten, von Seitenstechen bis Pest, aber auch als "Liebeszauber". Bestätigt ist seit dem 19. Jahrhundert die beruhigende, entspannende Wirkung, für die der Baldrian heute allgemein bekannt ist.

Die Pflanze: eine robuste, krautig wachsende Staude, die bis zu 1,50 Wuchshöhe erreichen kann. Die Blätter erinnern an Farn und werden bis zu 20 Zentimeter lang. Die Blütenstände mit vielen kleinen weißen bis rosa Blüten erscheinen zwischen Mai und Juli, manchmal sogar bis in den September.

Medizinisch verwendete Teile: der ausgegrabene Wurzelstock, einige der vielfältig wirksamen Substanzen entstehen erst bei Trocknung.

Anwendung / Produkte: Als Tee, häufig kombiniert mit ähnlich wirkenden Pflanzen (Hopfen, Melisse u.a.), als Saft, Tinktur, Dragees, Badezusatz, Duftöl, sowie als Bestandteil diverser Nahrungsergänzungsmittel.

Im Garten: In der Natur wächst echter Baldrian auf Moorwiesen, an Fluss- und an Bachufern. Der Boden sollte also gut durchlässig und beständig feucht sein. Kultivierung der attraktiven, winterharten Staude im Beet und Pflanzkübel ist möglich, sofern für die entsprechende Feuchtigkeit verlässlich gesorgt wird (Bewässerungssystem, häufiges Gießen. Teichrandlage).

Besonderheit: wirkt auf Katzen euphorisierend!

2. Beinwell

Wirkung: bei Verstauchungen und Prellungen, abschwellend, entzündungshemmend, schmerzstillend.

Der gewöhnliche Beinwell (Symphytum officinale) wird, wie der Name ahnen lässt, seit dem Altertum bei Erkrankungen und Verletzungen der Beine angewendet, z.B. bei Knochenbrüchen, Gelenkbeschwerden und Verrenkungen. Alternative Bezeichnungen sind Arznei-Beinwell, Schadheilwurzel, Wallwurz, Bruchkraut, Beinwurz oder Schmerzwurz. Beinwell wird ausschließlich äußerlich angewendet, da er neben den heilenden Wirkstoffen auch Substanzen enthält, die die Leber schädigen können.

Die Pflanze: mehrjährige, behaarte Staude aus der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae), ca. 50 bis 100 cm hoch. Weiche, wechselständige Blätter in eiförmig-zugespitzer Form ("lanzettlich") bis ca. 20 cm Länge. Glockige Blüten in weiß, rosa, purpur und violett erscheinen von Mai bis August. Mehrere Farben an derselben Pflanze sind möglich.

Medizinisch verwendete Teile: hauptsächlich Wurzeln und der rübenartige Wurzelstock (Extrakte), seltener die Blätter / das Kraut.

Anwendung / Produkte: Salben, Pasten, Einreibungen als zugelassene Arzneimittel. Häufig kombiniert mit weiteren Extrakten z.B. aus Ringelblume und Arnika. Auch in Kosmetikprodukten enthalten, dort jedoch nicht in medizinisch wirksamer Form.

Im Garten: Beinwell wächst ohne Probleme auf eher feuchten, nährstoffreichen Böden. Die Pflanze gedeiht im lichten Schatten unter Bäumen und Gehölzen, sowie an sonnigen Standorten, wenn die Feuchtigkeit des Bodens ausreicht. Wird von Hummeln geliebt und kann aufgrund der verwinkelten Blüten nur von ihnen bestäubt werden. Neigt zum Wuchern und kann nicht verpflanzt werden. Wegen der langen Pfahlwurzel ist Beinwell nur im hohen Kübel kultivierbar!

3. Brennnessel

Wirkung: Blätter und Kraut lindern Blasenentzündung und Harnwegsinfekte, Gliederschmerzen und Gelenkentzündungen (Rheuma, Arthritis), Wurzeln helfen bei gutartig vergrößerter Prostata.

Der Große Brennessel (Urtica dioica) ist heute vor allem als robuste Wildpflanze bekannt, die vielfach als "Unkraut" bekämpft wird. Wegen ihres Reichtums an Vitamin C,.Mineralien (Eisen, Kalium und Magnesium) und sekundären Pflanzenstoffen wird sie in den letzten Jahren verstärkt als Küchenkraut genutzt, z.B. als Brennnesselsuppe, Spinat oder Smoothie. Als Heilpflanze war die Brennnessel bereits Griechen und Römern bekannt. Im Mittelalter und sogar noch von Pfarrer Kneipp wurde das Auspeitschen mit Brennnesseln gegen Gelenkschmerzen empfohlen.

Die Pflanze: ausdauernde krautige Pflanze, je nach Stickstoffangebot im Boden erreichen die in Europa vertretenen Arten Wuchshöhen zwischen 40 und 150 cm. Die Brennhaare, die sich auf dem Spross und den Blättern befinden, schützen vor Fressfeinden. Die Triebe der Brennnessel sind in der Regel unverzweigt, die kleinen weißen Blüten erscheinen in den Blattachseln zwischen Juli und Oktober. Anschließend bilden sich winzige Nussfrüchte (Samen).

Medizinisch verwendete Teile: Blätter, ganzes Kraut, Wurzeln, Samen

Anwendung / Produkte: Als Tee und Teemischung (Nieren- und Blasentee), Kapseln, Dragees, Tropfen und Saft (traditionelle Arzneimittel), sowie Wurzelextrakte als apothekenpflichtige Arzneimittel, oft in Kombination mit Sabalfrüchten. In Nahrungsergänzungsmitteln werden Brennnesseln ebenfalls vielfach verwendet, doch ist hier kaum eine medizinische Wirkung zu erwarten.

Im Garten: Die Pflanze gilt als Stickstoffanzeiger und wächst vor allem auf humosen, stickstoffreichen Böden, sowohl in der Sonne als auch im Schatten. Sie muss nicht extra kultiviert werden, sondern findet sich von selber ein - oft zum Leidwesen der Gartenfreunde.

4. Eukalyptus

Wirkung: schleimlösend bei Erkältung, Husten, Katarrhen der oberen Luftwege, krampflösend. Äußerlich angewendet auch gegen Muskelschmerzen und rheumatische Beschwerden.

Der Blaue Eukalyptus (Eukalyptus globulus) ist in Australien heimisch, wo ihn bereits die Aborigines zur Zahnpflege, bei Atembeschwerden und zum Vertreiben von Insekten nutzten. In Europas Volksmedizin ist der Eukalyptus seit 1870 bekannt und gegen Erkältungen, Asthma und Magen-Darm-Beschwerden in Verwendung.

Die Pflanze: ein immergrüner, mit zwei Metern pro Jahr zügig wachsender Baum, der bis zu 60 Meter hoch wächst. Die Blätter sind blau bereift, in der Jugend rundlich bis länglich. Die schmaleren, sichelförmigen Altersblätter werden bis zu 25 cm lang und hängen senkrecht vom Baum herab. Eukalyptus wird in Spanien, Portugal, Südfrankreich und Italien kommerziell angebaut.

Medizinisch verwendete Teile: getrocknete Altersblätter, ätherische Öle aus frischen Blättern und Zweigspitzen.

Anwendung / Produkte: Salben, Tropfen und Öle zum Einreiben und Inhalieren, Ölbäder, Badezusätze, Duftöle, Kosmetika. Für die medizinische Anwendung nur Arzneimittel wählen! Ansonsten die jeweilige Produktbeschreibung beachten, die genau beschreiben muss, wofür die jeweilige Zubereitung geeignet ist.

Im Garten: Da der Blaue Eukalyptus nicht winterhart ist und viel zu schnell riesengroß wird, eignet er sich nicht für die Kultivierung im Beet oder Kübel. Alternativ können Sie den Mostgummi-Eukalyptus (Eucalyptus gunnii) anpflanzen, der in warmen Lagen mit Winterschutz im Freien überwintern kann. Seine hübschen Blätter verbreiten einen frischen Duft, der Insekten auf Abstand hält.

5. Fenchel

Wirkung: verdauungsfördernd und krampflösend, bei Blähungen und Völlegefühl, schleimlösend bei Erkältungen, Schnupfen, Husten

Gewöhnlicher Fenchel (Foeniculum vulgare) gilt als eines der ältesten Gewürze der Welt. Schon 3000 v. Chr. nutzte man ihn in Ägypten als Gewürz und Heilpflanze, im antiken Griechenland wurde Fencheltee stillenden Müttern empfohlen, um die Milchbildung anzuregen. Seit dem Mittelalter ist die Wirkung bei Verdauungsbeschwerden bekannt, was sich bis heute bestätigt hat.

Die Pflanze: Fenchel gehört zu den Doldengewächsen (Apiaceae) und blüht von Juli bis Oktober in Form von vielen kleinen gelben Blüten auf bis zu 15 cm großen Doppeldolden. Aus dem wilden Fenchel, der in ganz Südeuropa vorkommt, hat sich der Gartenfenchel (vulgare) entwickelt, von dem drei Varianten angebaut werden: 

  • var. vulgare, der Bitterfenchel mit bitter-süß und leicht scharf schmeckenden Früchten;
  • var. dulce, der Süße oder Römische Fenchel mit angenehm süß schmeckenden Früchten;
  • sowie var. azoricum, der Gemüse- oder Zwiebelfenchel, dessen Blattscheiden am Stängelgrund fleischig verdickt sind und als Gemüse beliebt sind.

Gewöhnlicher Fenchel wächst als ein- bis mehrjährige Pflanze reich verzweigt. Süßfenchel kann über zwei Meter hoch werden, Bitterfenchel ca. 1,25 Meter. Aus den Blüten entwickeln sich Spaltfrüchte, die bis zu 12 mm lang werden können.

Medizinisch verwendete Teile: getrocknete Spaltfrüchte/Samen (auch als Gewürz), ätherisches Öl.

Anwendung / Produkte: lose, als Beutel- und Instant-Tee gegen Blähungen/Magenbeschwerden, häufig kombiniert mit Kümmel und Anis, die ähnlich wirken. In Apotheken wird in der Regel Bitterfenchel-Tee, im Handel nur Süßfenchel-Tee angeboten. Auch ätherisches Öl ist erhältlich. Gegen Erkältung gibt es Tropfen, Sirup, Pastillen und Bonbons.

Im Garten: Statt der Heil- und Gewürzpflanze wird im Garten meist der einjährige Knollenfenchel (Foeniculum vulgare var. azoricum) angebaut und als Gemüse verzehrt. Gewürzfenchel und Bitterfenchel sind dagegen zweijährig, benötigen also Geduld, einen vollsonnigen Standort und viel Wärme, damit die Samen ausreifen können. Auch ein tiefgründiger, nährstoffreicher, gut belüfteter, durchlässiger Boden ist erforderlich.

 

6. Goldrute

Wirkung: gegen Entzündungen der Harnwege, Blasenschwäche, Nierensteine

Die Echte Goldrute (Solidago virgaurea) wächst in Europa wild, wird hier jedoch von der immer stärker verbreiteten Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis) fast verdrängt. Man trifft sie auf Brachflächen, Schuttbergen, Waldflächen und Straßenrändern massenweise an und gilt deshalb vielen als lästiges Unkraut. Dabei war die Goldrute schon bei den Germanen als wichtige Heilpflanze zur Wundbehandlung im Einsatz, ebenso bei nordamerikanischen Ureinwohnern. Ab dem 16. Jahrhundert trat in Europa die harntreibende Wirkung in den Vordergrund, die bis heute hauptsächlich Anwendung findet. Beide Goldruten-Arten wirken, jedoch sind die Wirkungen der europäischen Goldrute besser belegt.

Die Pflanze: mehrjährige Staude mit aufrechten, rutenartigen Stängeln in horstigem Wuchs, die bis ca. einen Meter hoch wachsen, die kanadische Variante wird bis zwei Meter hoch. Zwischen Juni und September erscheinen bei der Echten Goldrute leicht verzweigte körbchenförmige Blütenstände, traubenartig zusammen gesetzt. Die Blütenkörbchen der Kanadischen Goldrute bilden dagegen ausladende Rispen, an denen die gelben Blüten aufgereiht stehen.

Medizinisch verwendete Teile: alle oberirdischen Teile enthalten die Wirkstoffe in ergiebiger Menge. Deshalb ist der Stängel-Anteil bei Tees und Präparaten kein Maß für die Qualität.

Anwendung / Produkte: vor allem Tees (z.B. als Nieren-Blasen-Tee oder Stoffwechseltee), aber auch Tropfen, Tabletten und Kapseln. Goldrute wird oft mit anderen harntreibenden Pflanzen gemischt, z.B. Birkenblätter, Schachtelhalm und Queckenwurzel.

Im Garten: Oft findet sich die Kanadische Goldrute von selber im Garten ein. Sie gilt als problematischer Neophyt, doch ist sie bei heimischen Insekten und Wildbienen durchaus beliebt. Will man Goldruten erst ansiedeln, empfiehlt es sich, die Echte Goldrute zu kultivieren, da diese gegenüber der Kanadischen meist das Nachsehen hat. Goldrute bevorzugt trockene, kalkhaltige und eher schwere bzw. lehmig-sandige Böden in sonnigen Lagen, wächst aber auch an weniger optimalen Stellen, wo sie dann kleiner bleibt.

7. Hopfen

Wirkung: beruhigend, Stress mindernd, lindert Anspannung, Unruhe, Nervosität, fördert Einschlafen und Durchschlafen

Der Echte Hopfen (Humulus lupulus) wird nachweislich seit dem 8.Jahrhundert angebaut. Mönche und Nonnen kultivierten ihn in Klostergärten, jedoch nicht als Heilpflanze, sondern als Bestandteil von Getränken. Pflanzenkundige entdeckten den Hopfen zu dieser Zeit auch als Heilpflanze, angeblich sollte er Leber- und Gallenbeschwerden lindern. Erst seit dem 18. Jahrhundert ist Hopfen als Schlaf- und Nervenmittel bekannt, doch weit überwiegend kennt man Hopfen vom Bier, das traditionell aus Hopfen, Malz, Wasser und Hefe gebraut wird.

Die Pflanze: Hopfen ist eine schnell wachsende Kletterpflanze, die drei bis sechs Meter hoch wird, im kommerziellen Anbau auch zehn Meter. Er gehört zu den Hanfgewächsen (Cannabaceae) und blüht von Juli bis August. Die Blätter sind vielgestaltig gelappt und haben hohen Zierwert. Beheimatet in den gemäßigten Gebieten Europas und Asiens kommt er wild vor allem an Ufern und in Auwäldern vor. An Klimmhaaren winden sich die Triebe rechtsdrehend um Stützen, Zäune, Sträucher und Bäume. Es gibt männliche und weibliche Pflanzen, die Bestäubung besorgt der Wind. Geerntet werden die unreifen, grünen, an Zapfen erinnernden Fruchtstände, die umgangssprachlich "Hopfenblüten" genannt werden.

Medizinisch verwendete Teile: grüne Fruchtstände (Zapfen, "Hopfenblüten") der weiblichen Pflanzen.

Anwendung / Produkte: lose als Tee, sowie in Filterbeuteln. Schlaf- und Beruhigungstees enthalten meist Hopfen in Mischungen mit Baldrian, Melisse und Passionsblume. Auch als Arzneimittel in Form von Tropfen, Dragees und Tabletten, Salben und Bädern sind Hopfenpräparate erhältlich. Auch in Nahrungsergänzungsmitteln darf Hopfen enthalten sein, dort werden dann oft andere gesundheitsfördernde Wirkungen beworben (z.B. als "Radikalfänger") und die Dosierung wirkt nicht zwingend beruhigend.

Im Garten: Mit Hopfen lassen sich Zäune, Sichtschutzelemente und Pergolen zügig beranken. Die Triebe sind sommergrün, einjährig und wuchern stark, überwachsen also auch gerne in der Nähe stehende Büsche und Bäume. Nutzen Sie weibliche Pflanzen, dann können Sie die hübschen Zapfen auch für Gestecke nutzen!

 

8. Johanniskraut

Wirkung: pflanzliches Antidepressivum bei leichten und mittelschweren Depressionen, sowie depressiven Verstimmungen. Gegen Symptome seelischer Erschöpfung, für besseres Befinden bei nervlichen Belastungen, auch bei leichten Magen-Darm-Beschwerden. Zubereitungen in Öl helfen äußerlich angewendet bei Sonnenbrand, kleinen Wunden und Hautentzündungen.

Mit dem Echten Johanniskraut bzw. Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum) behandelte man schon im alten Rom Wunden und leichte Verbrennungen, ebenso noch im Mittelalter. Erst im 19. Jahrhundert berichtete berichtete ein schwäbischer Arzt und Dichter (Justinus Kerner) über die stimmungsaufhellende Wirkung des Johanniskrauts, die jedoch wieder in Vergessenheit geriet, als chemische Psychopharmaka auf den Markt kamen. Seit den 80ger Jahren wird jedoch Johanniskraut wieder gegen leichte und mittelschwere Depressionen verschrieben, denn die Wirkung ist mittlerweile medizinisch belegt.

Die Pflanze: Ursprünglich heimisch in Europa, Nordafrika und Zentralasien, findet man das Johanniskraut heute beinahe weltweit. Es wächst wild an Wegrändern, Dämmen und in lichten Wäldern auf trockenen und kalkhaltigen Böden. Die Blätter des maximal 60 cm hohen Krauts sind "getüpfelt", bzw. sehen aus als seien sie durchlöchert. Dabei handelt es sich um die Drüsen, die das wirksame ätherische Öl enthalten. Die alternativen Namen "Walpurgiskraut" und "Sonnwendkraut" beziehen sich auf die Blütezeit, die um den Johannistag (24. Juni) herum beginnt.

Medizinisch verwendete Teile: getrocknete Stängelspitzen, für ölige Zubereitungen ("Johanniskrautöl") werden die frischen Blüten verwendet.

Anwendung / Produkte: Präparate, die als pflanzliches Antidepressivum wirken, sind verschreibungspflichtige Arzneimittel! Ohne Verschreibung, jedoch nur in Apotheken bekommen Sie Arzneimittel gegen leichtere depressive Verstimmungen. Frei verkäufliche, traditionelle Arzneimittel sind für andere Anwendungen gedacht, für depressive Verstimmungen reicht ihre Dosierung nicht aus. Vorsichtig sollten Sie bei Nahrungsergänzungsmitteln sein, denn hier werden oft Heilwirkungen behauptet, die für ein Nahrungsergänzungsmittel gar nicht zulässig wären. Auch über Dosierungen schweigen sich die Anbieter oft aus, ebenso zu möglichen Gegenanzeigen und Nebenwirkungen.

Im Garten: Johanniskraut mag magere Böden und sonnige bis halbschattige Standorte, z.B. ganz oben in einer Kräuterspirale. Es passt auch ins Staudenbeet, wo Ausläufer dafür sorgen, dass die Staude Jahr um Jahr größer wird. Als heimische Wildpflanze werden die Blüten von vielen Insekten gerne besucht, die Fruchtkapseln bieten Vögeln später im Jahr Nahrung.

9. Kamille

Wirkung: entzündungshemmend, besonders gut bei lokaler Anwendung im Mund- und Rachenbereich. Hilft bei oberflächlichen Wunden, Hautreizungen, Sonnenbrand. Inhaliert beruhigt Kamille die Atemwege bei Erkältung. Innerlich eingenommen krampflösend, lindert Verdauungsbeschwerden, hilft bei Völlegefühl und Blähungen.

Die Echte Kamille (Matricaria chamomilla) wurde schon von den alten Germanen, Ägyptern und Griechen als Kult- und Heilpflanze verehrt. Sie setzten die Arzneipflanze gegen Blähungen, Leberleiden und Entzündungen aller Art ein. Die Klostermedizin des Mittelalters entdeckte Kamille dann auch als hilfreiches Mittel bei Atemwegserkrankungen.

Die Pflanze: Krautige, reich verzweigte Staude, die bis zu 50 cm hoch wird. Echte Kamille zählt zu den Korbblütlern (Asteraceae), ihre Blüten bestehen (ähnlich wie bei Gänseblümchen) aus weißen Zungenblüten, die einen Kern aus gelben Röhrenblüten kreisförmig umgeben. Die Blütezeit reicht von Mai bis September. Im Unterschied zu anderen, meist geruchlosen Kamillenarten ist der Duft der Echten Kamille intensiv. Ursprünglich heimisch in Süd- und Osteuropa, kommt sie inzwischen fast in ganz Europa und Westasien vor. Bevorzugt wächst sie auf Äckern, Brachland und Schuttplätzen.

Medizinisch verwendete Teile: Getrocknete Blütenkörbchen. Ware in Arzneibuchqualität enthält ausschließlich Blüten, keine Blätter und Stängel! Als Lebensmittel sind auch Blätter und Stängel zulässig, jedoch nicht medizinisch wirksam.

Anwendung / Produkte: vor allem Tee als Getränk, als Aufguss für Spülungen, Umschläge und Sitzbäder. Es gibt lose Ware, Beutel- und Instant-Tee, wobei die Qualität sehr unterschiedlich ist, je nachdem, ob Sie in der Apotheke (als Arzneimittel) oder im Handel (als Lebensmittel) kaufen. Zum Einnehmen, zum Inhalieren und zur äußerlichen Anwendung gibt es ebenfalls apothekenpflichtige und frei verkäufliche Produkte in Form von Tropfen, Tinkturen und Salben. Kamille ist auch Bestandteil von Kosmetika und Badezusätzen, jedoch können Sie hier nicht von medizinisch relevanten Wirkungen ausgehen.

10. Knoblauch

Wirkung: beugt altersbedingten Gefäßveränderungen (Arteriosklerose) vor, wirkt Cholesterin- und leicht Blutdruck senkend, löst kleine Ablagerungen in den Adern auf. Bei Erkältungskrankheiten lindert Knoblauch Husten und Schnupfen.

Den Knoblauch (Allium Sattivum) kennen heute die meisten nur aus der Küche, wo seine Beliebtheit als Würzgemüse seit Jahren steigt. Dabei war die Palette an Beschwerden und Krankheiten einst recht groß, gegen die Knoblauch von Sumerern, Babyloniern, Griechen und Römern eingesetzt wurde, nämlich gegen Hautleiden, Husten, Schlangenbisse und Würmer, aber auch als Abführmittel. Im Mittelalter meinten Heilkundige, die duftstarke Zwiebel helfe gar gegen Pest und Cholera. Die antibakteriellen Eigenschaften des Knoblauchs entdeckte Louis Pasteur im 19. Jahrhundert.  Im 1. Weltkrieg wurden Wunden mit Knoblauch behandelt.

Der Knoblauch - eine Wunderknolle? Fast, denn immerhin bestätigen seit den 1930ger-Jahren wissenschaftliche Forschungen die Wirkung auf den Blutdruck und bei Arteriosklerose. Auch neuere Studien konnten immerhin zeigen: Menschen, die regelmäßig Knoblauch essen, bekommen seltener Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Die Pflanze: Knoblauch ist ein Zwiebelgewächs, das maximal 70 cm hoch wird. Aus der eingepflanzten Zehe wächst im Frühling ein erster Trieb, die Blätter stehen direkt am Stengel und laufen spitz zu. Im Sommer erscheinen die rötlich-weißen Blüten. Statt Früchten mit Samen entstehen innerhalb der Blütenstände winzige Brutzwiebeln, Bulbillen genannt. Aber auch über die Zwiebel im Boden vermehrt sich der Knoblauch. Die Stängel werden zur Blütezeit welk, aus der Zehe bildet sich dann eine Knolle, die ihrerseits Zehen besitzt.

Medizinisch verwendete Teile: die Knoblauchzehen, geschnitten, getrocknet, pulverisiert. Knoblauchauszüge mit Öl und Destillate werden ebenfalls genutzt.

Anwendung / Produkte: Tabletten, Kapseln, Dragees, Tropfen und Saft aus purem Knoblauch (Arzneimittel). Einige traditionelle Arzneimittel kombinieren z.B. mit Pflanzen mit ähnlichem Wirkungsspektrum wie z.B. Weißdorn. Daneben werden viele Knoblauchpräparate als Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel gehandelt. Hier kommt es auf die Dosierung an, ob z.B. eine vorbeugende Wirkung zu erwarten ist. Frischer Knoblauch ist zudem immer eine nutzbare Alternative, sofern man sich mit den Ausdünstungen über die Haut anfreunden kann.

Im Garten: Knoblauch ist sehr einfach anzubauen, einfach im Herbst oder Frühjahr eine Zehe ins Beet stecken, fertig! Warme Böden in sonniger Lage lassen ihn hervorragend gedeihen.

11. Lavendel

Wirkung: beruhigend, entspannend, Stress abbauend, Konzentration steigernd. Bei Unruhe und Einschlafstörungen, sowie nervösen Magen- und Darmbeschwerden. Als Badezusatz gut gegen Erschöpfungszustände.

Als Heilpflanze wurde Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) erst im 12. Jahrhundert bekannt. Hildegard von Bingen setzte das Kraut gegen Kopfläuse ein, Paracelsus nutzte ihn zu Beginn der Neuzeit als Nervenmittel. Knoblauch galt auch als hilfreich gegen Blähungen, Krämpfe und Angstzustände, also gar nicht mehr so weit entfernt von heutigen Anwendungen. Als Schutz vor Pest und Cholera im 16. und 17. Jahrhundert hat er allerdings mit Sicherheit versagt!

Die Pflanze: Lavendel ist ein immergrüner Halbstrauch und wird bis ca. 60 Zentimeter hoch. Zahlreiche verzweigte, teils verholzte Stängel entspringen der Wurzel. Die graugrünen Blätter sind schmal und spitz. Von Juni bis August zeigen sich die bläulich-violetten Blüten, die sich in ährenartiger Form anordnen und intensiven Duft verströmen. Lavendel zählt zu den Lippenblütlern und ist im Mittelmeerraum beheimatet. Dort wächst er wild, vor allem auf trockenen sonnigen Hängen.

Medizinisch verwendete Teile: duftende Blüten, blühende Zweigspitzen, sowie das destillierte ätherische Öl

Anwendung / Produkte: lose Blüten in Arzneibuchqualität, auch als Teebeutel. Häufig zusammen mit ähnlich wirkenden Pflanzen als Schlaf- und Beruhigungstee-Mischung. Auch Lavendelöl in Kapseln steht als Arzneimittel zur Verfügung.Die beliebten Lavendelbäder sind in vielen Varianten im Handel erhältlich. Hier steht allerdings eher die pflegende Wirkung und der Duft im Vordergrund. Ob die Dosierung zur Beruhigung ausreicht, ist fraglich.

Im Garten: Lavendel benötigt einen sonnig warmen Standort, sowie als Schwachzehrer einen sandig-kiesigen, allenfalls mittelschweren Boden. Er wird auch im Topf und Kübel kultiviert, wo ganz besonders für guten Wasserabzug gesorgt werden muss (Drainageschicht!). Auch als Duftstrauch an Trockenmauern und Steingärten macht Lavendel eine gute Figur!

12. Melisse

Wirkung: gegen Einschlaf- und Durchschlafstörungen, Nervosität, Stress und Unruhe, krampflösend, auch gegen Magen- und Darmbeschwerden, sowie bei Erkältungskrankheiten. Einige Studien zeigten Wirkung gegen die Bläschen bei Lippenherpes.

Der Zitronen-Melisse (Melissa officionalis) ist wegen ihres reichen Blütennektars eine wahre Bienenweide. Ihr Name "Melissa" steht im Griechischen für "Honigbiene", denn das war bereits den Griechen der Antike aufgefallen. Ihnen und auch den Römern war die Melisse bereits als beruhigende Heilpflanze bekannt, empfohlen wurde sie auch gegen Skorpionstiche, zur Wundbehandlung und als Sitzbad bei Menstruationsbeschwerden. Ab dem 16. Jahrhundert diente sie als Mittel gegen Schlaflosigkeit und Magenbeschwerden, wogegen sie auch heute noch vielfach angewendet wird.

Die Pflanze: Ursprünglich im östlichen Mittelmeergebiet heimisch, findet man die krautige mehrjährige Staude heute in allen warmen Gebieten Europas. Wild wächst die Zitronenmelisse vor allem auf Waldschlägen und an Forststraßen. Ihre herzförmigen Laubblätter sitzen gegenständig an aufrechten, vierkantigen Stängeln und verströmen den intensiv zitronigen Duft. Im zweiten Standjahr zeigen sich zwischen Juni und August die gelben Blüten der Melisse. 

Medizinisch verwendete Teile: die duftenden Blätter, schonend getrocknet

Anwendung / Produkte: viele zugelassene Arzneimittel, z.B. als Tropfen oder Tabletten, die den Extrakt der Blätter enthalten. Häufig kombiniert mit sinnvoll zusammen wirkenden Pflanzen wie Baldrian, Johanniskraut und Passionsblume. Melisse ist oft Bestandteil von Magen- Darm und Beruhigungstees. Gegen Lippenherpes als hoch dosierte Salbe. Als Nahrungsergänzungsmittel werden oft Kapseln angeboten, die keinen Extrakt, sondern gemahlene Blätter enthalten. Eine medizinische Wirkung ist bei der zwangsläufig niedrigen Wirkstoffdosierung kaum zu erwarten.

Im Garten: Ideal sind durchlässige, leicht feuchte Böden, die nicht zu nährstoffarm sein sollten. Sonnige und windgeschützte Standorte werden bevorzugt. Die Melisse ist auch sehr gut im Blumentopf und Pflanzkübel zu halten! Ein optimales Gewächs für den insektenfreundlichen Garten und Balkon, das auch immer eine Bereicherung für die Küche darstellt.

13. Passionsblume

Wirkung: beruhigend, Angst lösend, gegen Reizbarkeit und Nervosität, erleichtert das Einschlafen

Die Passionsblume (Passiflora incarnata) verdankt ihren Namen der komplexen Blütenform, die - mit einiger religiöser Fantasie - das Leiden Christi darstellen soll: In den drei Narben erkannten sie die Nägel des Kreuzes, die Nebenkrone sahen sie als Dornenkrone, die fünf Staubblätter interpretierten sie als Wundmale. Es waren amerikanische Einwanderer, die von dieser Symbolik fasziniert waren, während die Ureinwohner recht profan die essbaren Früchte der Passionsblume nutzten. Im 19. Jahrhundert setzten Homöopathen in den USA die Passionsblume als Heilpflanze gegen Nervosität und Schlaflosigkeit ein. In Europa wandten Ärzte sie im 1.Weltkrieg als Beruhigungsmittel an.

Die Pflanze: ausdauernde, verholzende Kletterpflanze, die bis zu fünf Meter lange Triebe ausbildet. Die dreilappigen Blätter mit gesägten Rändern ordnen sich wechselständig an. In den Blattachseln bilden sich Ranken, mit denen sich die Pflanze am Gerüst festhält. Dort erscheinen von Juli bis September auch die lang gestielten, spektakulär wirkenden Blüten, die je nach Art bis 18 cm Durchmesser erreichen können. Anschließend bilden sich essbare Früchte aus, die botanisch gesehen den Beeren zugeordnet werden.

Medizinisch verwendete Teile: alle oberirdischen Teile, Stängel, Blätter. Blüten und - je nach Erntezeit - auch Früchte.

Anwendung / Produkte: als getrocknetes Kraut, lose und in Teebeuteln. Häufig sind Teemischungen mit Baldrian und Hopfen. Fertigarzneimittel enthalten ebenfalls meist Kombinationen aus Passionsblume und weiteren, ähnlich wirkenden Pflanzen. Es werden auch Nahrungsergänzungsmittel mit Passionsblume gehandelt. Wie immer bei Nahrungsergänzungsmitteln ist eine medizinische Wirkung evtl. möglich, aber nicht garantiert.

Im Garten: Passionsblumen sind überwiegend in tropischen und subtropischen Ländern heimisch, bei uns also nicht winterhart. Sie werden jedoch häufig in Kübeln kultiviert und können vom Frühsommer bis Herbst draußen stehen. Sie bevorzugen einen hellen und sonnigen Standort mit  gleichmäßiger Wasserversorgung. Die Erde sollte stets ein wenig feucht sein. Große und schwere Pflanzgefäße sind optimal, gerne kann auch eine Rankhilfe in dieses integriert werden. Die Pflanzen können durchaus größer wachsen, werden dann aber vor der Überwinterung auf die Höhe der Rankhilfe eingekürzt, um sie transportieren zu können.

14. Ringelblume

Wirkung: äußerlich zur Heilung von Sonnenbrand, leichten Entzündungen und kleinen Wunden; langjährige Erfahrungen sprechen auch für die Wirkung gegen Entzündungen im Mund und Rachenraum.

Die Garten-Ringelblume (Calendula officinalis) ist vergleichsweise kurz als Arzneipflanze in Verwendung. Erst Hildegard von Bingen beschrieb sie als hilfreich bei Verdauungsstörungen und Entzündungen. Wie so oft, wenn eine Heilwirkung bekannt wurde, galt die Pflanze im hohen Mittelalter dann als vielseitig wirksame Heilpflanze, z.B. gegen Leberleiden, Gelbsucht, Herzbeschwerden, Pest und Cholera.

Die Pflanze: Ringelblumen sind Korbblütler und stammen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Es sind einjährige, krautige, aufrecht und buschig wachsende Sommerblumen, die laue Winter sogar manchmal überleben. Je nach Standort und Sorte werden sie 20 bis 60 Zentimeter groß und besitzen kantige, verzweigte Stängel. Ihre Blütenkörbchen erscheinen vom frühen Sommer bis zum ersten Frost und bilden nach der Blüte kleine Früchte / Samen, die geerntet und im nächsten Jahr wieder ausgesät werden können.

Medizinisch verwendete Teile: ausschließlich die Blüten. Körbchenböden und Körbchenhüllen dürfen nicht dabei sein, wenn es sich um Arzneibuch-Qualität handelt.

Anwendung / Produkte: alkoholische Tinktur und getrocknete Blüten sind in Apotheken erhältlich. Wundsalben und Wundessenzen stehen als zugelassene Arzneimittel aus den Bereichen Homöopathie und Anthroposophie (=Sonderbereiche) zur Verfügung. Die meisten Ringelblumenpräparate sind Salben und Kosmetika für empfindliche, trockene und rissige Haut. Dosierungsangaben finden sich dabei meist nicht.

Im Garten: Ringelblumen werden wegen ihrer leuchtenden Blüten in vielen Gärten angebaut. Als typische Bauerngartenpflanze wächst sie sehr pflegeleicht an sonnigen Standorten auf durchlässigen Böden. Ihre gelb-orange-roten Blütenkörbchen machen sich gut im Zierbeet, sie wachsen aber auch gerne in Mischkultur mit Gemüsepflanzen.

15. Rosmarin

Wirkung: Äußerlich angewendet wird die Durchblutung der Haut angeregt. Schmerzlindernd bei Muskelkater, Gelenkschmerzen und Rheuma. Innerlich bei Verdauungsstörungen, krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden und Blähungen. Appetit anregend.

Der Rosmarin (Rosmarinum officinalis) ist hauptsächlich als Küchengewürz bekannt. Obwohl im Mittelmeerraum wild wachsend, war er in der Antike als Heilpflanze kaum bekannt. Lediglich eine Quelle aus dem 1.Jahrhundert (Dioskurides) nennt ihn als wärmende Pflanze und hilfreich gegen Gelbsucht. Statt dessen hatte Rosmarin kultische Bedeutung, denn er war der Göttin Aphrodite geweiht. Erst seit dem 16. Jahrhundert ist Rosmarin in Europa als appetitanregende, verdauungsfördernde und wundheilende Pflanze bekannt und in Gebrauch.

Die Pflanze:  Rosmarin ist ein mediterraner, immergrüner Kleinstrauch, der je nach Standort bis über einen Meter hoch werden kann. Die nadelförmigen Blätter sind dunkelgrün und ledrig. Beim Zerreiben riechen sie intensiv, würzig und frisch. Aus den Blattachseln wachsen Kurztriebe und im Frühling Trauben mit bis zu zehn blassblauen, rosafarbenen oder weißen Lippenblüten. Anschließend entsteht im bleibenden Kelch der Blüte ein viersamiges Nüsschen (Klausenfrucht).

Medizinisch verwendete Teile:  ausschließlich die Blätter. 

Anwendung / Produkte: Bäder und Salben sind als Arzneimittel erhältlich, als Schmerz- und Rheumasalben meist in Mischungen mit Lavendel, Kampfer und Menthol. Auch im Sport- und Kosmetikbereich sind vielerlei Massageöle, Badezusätze und Duftessenzen erhältlich. Ätherische Rosmarinöle, die der Handel anbietet, sind leider oft gefälscht oder mit billigeren Ölen verschnitten, wie Labore bei punktuellen Untersuchungen feststellten. Hochwertiges Öl in Arzneibuchqualität ist in Apotheken erhältlich, natürlich auch entsprechend teurer.

Im Garten: Als mediterrane Pflanze ist Rosmarin in unseren Breiten nicht winterhart. Ausnahmen sollen die Sorten "Arp" und "Blue Winter" darstellen, doch auch sie benötigen in den ersten Jahren Winterschutz! Am besten ist ein sonniger, jedoch windgeschützter Standort an einer Hauswand. Auch die Haltung im Pflanzkübel und Blumentopf ist möglich: den Sommer über auf Balkon und Terrasse, vor dem Frost muss die Pflanze dann ins helle, frostfreie Winterquartier umgezogen werden.

16. Salbei

Wirkung: bei Erkältungen gegen Halsschmerzen, als Spülung gegen Entzündungen im Mund, hemmend gegen Bakterien und Pilze. Sowie bei Verdauungsstörungen, Völlegefühl und Blähungen. Studien belegen Wirkungen gegen übermäßiges Schwitzen.

Der Echte Salbei (Salbei officialis) ist auch als Küchen-Salbei und Garten-Salbei bekannt. Er wurde schon im alten Ägypten als Mittel gegen Unfruchtbarkeit eingesetzt. In der Antike benutzte man die aromatisch duftende Pflanze gegen Verdauungsprobleme, Verletzungen, Asthma, Husten, Frauenkrankheiten und Zahnweh. Der Name "Salvia" kommt vom lateinischen salvare = heilen, was auf die große Bedeutung als Heilpflanze hinweist. Im Mittelalter gehörte Salbei zu den 24 in Klöstergärten angebauten Heilkräutern.

Die Pflanze: Der immergrüne, aromatisch riechende Halbstrauch wird bis ca. 70 cm hoch. Im Lauf der Zeit verholzen die kräftigen Zweige, an denen filzig behaarte Seitenzweige wachsen. Stängel und Blätter sind filzig behaart. Die gegenständigen Blätter sind graugrün und schmalelliptisch geformt. In den oberen Blattachseln befinden sich die hell- bis blauvioletten Blüten. Echter Salbei zählt zu den Lippenblütlern (Lamiaceae), blüht zwischen Mai und Juli und zieht Bienen und Hummeln an. Heimisch ist er in den Mittelmeerländern heimisch und gedeiht dort wild an sonnigen, trockenen Standorten.

Medizinisch verwendete Teile: ausschließlich die Blätter, sowie das extrahierte ätherische Öl.

Anwendung / Produkte: getrocknete Blätter als Tee und für Aufgüsse, häufig auch als Mischung mit anderen Kräutern. Wässrig-alkoholische Auszüge und Destillate sind in Apotheken als Arzneimittel zum Gurgeln und Einpinseln im Mund und Rachenraum erhältlich. Lutschtabletten und Pastillen mit Salbeiextrakt oder ätherischem Öl sind beliebte "Bonbons" bei Husten und Halsschmerzen. Kosmetische Präparate und Zahncremes mit Salbei haben keine vergleichbare medizinische Wirkung, da die Dosierungen zu gering sind. Warmer Salbeitee regt den Appetit an, kalter Tee hilft gegen übermäßiges Schwitzen.

Im Garten: ein sonniger, warmer Standort ist Pflicht, z.B. in der Kräuterspirale relativ weit oben. Die Erde sollte trocken, kalkhaltig und durchlässig sein. Staunässe ist für den Salbei Gift, wie für alle mediterranen, Trockenheit liebenden Pflanzen. Echter Salbei eignet sich auch gut für die Kultivierung im Kübel und Blumentopf. Dort verwendet man am besten Kräutererde, die von vorne herein magerer und durchlässig ist. Zur Überwinterung braucht Salbei draußen guten Winterschutz!

17. Sonnenhut

Wirkung: Vorbeugung und Behandlung von Erkältungskrankheiten, auch bei Infektionen der Harnwege und Blasenentzündungen. Wissenschaftlich erwiesen ist die stärkende Wirkung auf das Immunsystem. Enthaltene Wirkstoffe (Alkamide) wirken direkt gegen Schnupfen und Grippeviren, wie Studien ergeben haben.
Äußerliche Anwendungen helfen bei schlecht heilenden Wunden, indem Sonnenhut Entzündungen und Keimwachstum hemmt, sowie die Hautbildung anregt.

Der Rote Sonnenhut oder Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea) darf nicht mit dem gleichnamigen gewöhnlichen gelben Sonnenhut (Rudbeckia) verwechselt werden. Beide sind nicht so nahe miteinander verwandt, wie man aufgrund der Optik denken könnte. Heimisch ist der purpurne Sonnenhut in Nordamerika, wo er bei den indigenen Völkern seit jeher als bewährtes Heilmittel galt. Gegen Zahnschmerzen, zur Wundheilung und gegen Schlangenbisse sollte Echinacea helfen. Ende des 19. Jahrhunderts verkaufte ein findiger Deutscher in den USA das erste Sonnenhut-Arzneimittel "Meyers Blutreiniger" gegen Rheuma, Neuralgien und Schlangenbisse – mit großem Erfolg. Später wurde Echinacea auch in Europa bekannt, der kommerzielle Anbau begann 1939.

Die Pflanze: Der lateinische Name der Pflanze "Echinacea" leitet sich vom griechischen echinos = Igel her. Vermutlich, weil die Blütenköpfe des Sonnenhuts dem stacheligen Rücken eines Igels ähneln. Die Staude wird bis 80 cm hoch, gehört zu den Korbblütlern (Asteraceae) und blüht von Mai bis August. Die Pflanze besitzt aufrechte Stängel und trägt eiförmige, am Rand gezahnte Blätter. Die Blütenköpfe bestehen aus einem kegelförmigen Blütenboden, der mit Schuppen und röhrenförmigen Scheibenblüten besetzt ist. Die Randblüten sehen linealisch und blass-purpurn aus.

Medizinisch verwendete Teile: die wirksamen Inhaltsstoffe sind in allen Pflanzenteile. Verwendung findet das getrocknete Kraut und die Wurzeln. Ebenso der Presssaft aus frischen, blühenden Pflanzen, zu dem es die meisten Untersuchungen gibt.

Anwendung / Produkte: Presssäfte und Tinkturen, Tabletten und Salbe sind als Arzneimittel erhältlich, die in der Regel aus dem Kraut hergestellt sind. Kombinationen mit dem verwandten blassen Sonnenhut (Echinacea pallida) und anderen Pflanzen mit ähnlicher bzw. unterstützender Wirkung sind üblich. Nahrungsergänzungsmittel, sowie als Lebensmittel gehandelte Lutschbonbons enthalten in der Regel keine für die medizinische Wirkung ausreichende Dosierung.

Im Garten: Der Purpur-Sonnenhut ist eine beliebte, lange blühende Gartenstaude, die nährstoffreiche Böden an einem sonnigen bis halbschattigen Standort lieben. Die Blüten versorgen Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, selbst im Winter bieten die Samenstände noch Nahrung für Vögel.

18. Thymian

Wirkung: bei Atemwegserkrankungen, schleimlösend bei Husten, Bronchitis, Keuchhusten. Entzündungshemmend (Mundschleimhaut), gut gegen Mundgeruch. Als äußere Anwendung fördert Thymian die Durchblutung der Haut.

Den Echten Thymian (Thymus vulgaris) kennt man hauptsächlich als scharf-aromatisches Würzkraut aus der mediterranen Küche. Dabei verwendeten ihn vermutlich bereits die Griechen und Römer als Heilpflanze bei Erkrankungen der Atemwege, jedoch ist klar, welche Thymianart die historischen Quellen beschreiben. Im Mittelalter verwendete Hildegard von Bingen den Thymian gegen Keuchhusten. Seit dem 16./17. Jahrhundert ist er eine in der Kräuterkunde allgemein anerkannte Arzneipflanze.

Die Pflanze: Thymian ist ein intensiv duftender Halbstrauch, der bis zu 30 cm hoch wird. Er gehört zu den Lippenblütlern (Lamiaceae). Seine vielen kleinen lila, rosafarbenen oder weißen Blüten erscheinen von Mai bis Oktober. Er ist in Mittel- und Südeuropa beheimatet, wo er auf Trockenrasen und an steinigen Hängen wächst.

Medizinisch verwendete Teile: vornehmlich die Blätter, die die meisten Inhaltsstoffe aufweisen. Blüten und Knospen dürfen vorhanden sein, nicht aber die verholzten Stängel. Das aus den Blättern extrahierte ätherische Öl findet in vielen Produkten Verwendung.

Anwendung / Produkte: Thymian ist in vielen Hustentees enthalten, häufig kombiniert mit ähnlich wirkenden Pflanzen. Nur bei Arzneimittelqualität ist man sicher, dass auch echter Thymian und keine andere Art verwendet wurde. Auch Hustensäfte und Lutschpastillen sind als Arzneimittel erhältlich, daneben bietet der Markt vielerlei frei verkäufliche Produkte, sowohl als Lebensmittel als auch als Nahrungsergänzungsmittel. Thymianöl zum Inhalieren sollte ausschließlich echten Thymian beinhalten und keine anderen Öle mit künstlichen Bestandteilen!

Im Garten: Thymian ist ein beliebtes Küchenkraut und wird im Topf auf der Fensterbank kultiviert, jedoch dort meist nur über die Saison. Im Garten ist er ein beliebter Bodendecker mit mediterranem Flair und dient als gut besuchte Bienenweide. Den Winter übersteht der echte Thymian nur mit gutem Winterschutz bzw. in wärmeren Lagen.

19. Traubensilberkerze

Wirkung: Wurzelextrakte wirken nachweislich gegen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen und können als Alternative zu synthetischen Hormonen eingesetzt werden.

Die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) nutzten die Ureinwohner Nordamerikas als Medizin gegen Schlangenbisse und um Frauen die Geburt zu erleichtern. Weiße Siedler übernahmen die "indianische Frauenwurzel", deshalb wurde sie 1820 offizielles Heilmittel in den USA, verschwand jedoch später wieder aus dem Arzneibuch. Eine Renaissance erlebte die Traubensilberkerze in den 50ger- und 60ger-Jahren, als die Östrogen-ähnliche Wirkung erforscht wurde. Doch erneut verlor sich das Interesse, als die chemische Industrie ihre Hormontherapien entwickelte. In den letzten Jahrzehnten steigt ihre Bedeutung wieder, da viele Frauen pflanzliche Mittel nachfragen und anstatt der Hormontherapie in Betracht ziehen.

Die Pflanze: Die Traubensilberkerze gehört zu den Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae) und ist im östlichen Kanada und den USA heimisch. Sie erreicht bis zu zwei Meter Wuchshöhe und wächst als aufrechter Stängel mit zwei- und dreifach gefiederten Blättern. An dessen Ende entwickeln sich im Juni bis August die traubenartigen Blütenstände zeigen.

Medizinisch verwendete Teile: der Wurzelstock

Anwendungen / Produkte: Zahlreiche Arzneimittel mit gepresstem Trockenextrakt als Tabletten und Dragees. Die Auswertung verschiedener Studien hat gezeigt, dass nur Präparate wirken, deren Extrakt mit Isopropanol oder Ethanol hergestellt wurde, allesamt zugelassene Arzneimittel. Kombinationen mit Johanniskraut sind sinnvoll bei Stimmungsschwankungen.

Im Garten: als prächtige mehrjährige Staude ist die Traubensilberkerze ein Blickfang in Beeten und Rabatten. Sie wächst am liebsten im lichten Schatten von Gehölzen, toleriert aber auch sonnigere Standorte, wenn die Wurzeln stets ausreichend mit Feuchtigkeit versorgt werden. Die Erde sollte nährstoffreich, humos und ausreichend frisch sein.

20. Weißdorn

Wirkung: gilt als "Herzpflegemittel" für das ältere Herz, die medizinischen Eigenschaften sind gut untersucht. Leicht Blutdruck senkend, gut gegen leichtere Herz- und Kreislaufschwächen, verlangsamt den Herzschlag bei gleichzeitiger Steigerung der vom Herz gepumpten Blutmenge, was zur besseren Sauerstoffversorgung führt.

Zwei Arten des Weißdorns sind bekannt und werden genutzt: der Eingriffelige Weißdorn (Crateagus monogyna), sowie der sehr ähnliche Zweigriffelige Weißdorn (Crateagus laevigata). Beide Arten gehören zu den typischen Hecken- und Buschgehölzen Europas. In der Antike und im Mittelalter wurde der Weißdorn gegen Durchfall und Menstruationsbeschwerden ein. Die Verwendung als Herzmittel ist erst seit der 2.Hälfte des 19.Jahrhunderts bekannt, seit 1930 wird die Wirkung wissenschaftlich erforscht.

Die Pflanze: Weißdorn gehört zu den Rosengewächsen (Rosaceae)  und kann bis zu acht Metern hoch werden. Die Äste sind dornenbewehrt, die Blätter sind gelappt und gezähnt oder glattrandig. Von Mai bis Juni entwickeln sich weiße Blüten in zahlreichen Doldenrispen. Nach der Befruchtung entstehen die roten Steinapfelfrüchte.

Medizinisch verwendete Teile: Blätter und Blüten.

Anwendung / Produkte: Weißdorn ist nicht giftig, also gibt es vielerlei, auch frei verkäufliche Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel. Es gibt ihn als losen Tee, aber auch in Beuteln, als Tabletten und Dragees. Kauft man Arzneimittel in der Apotheke, erfährt man die genaue Dosierung und kann sich beraten lassen. Marmeladen und Fruchtaufstriche haben keine medizinische Wirkung.

Im Garten: Da der Weißdornbusch sehr groß wächst, eignet er sich eher für Parks und größere Gartenlandschaften. Er gilt als wichtiges Vogelschutz- und Nährgehölz und wird als frei wachsende Hecke oder Solitärbaum kultiviert.

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Unsere wichtigsten Arzneipflanzen
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