Ratgeber

Gartenbücher: Lesestoff für stille Tage

Wenn im Winter kaum mehr Arbeit im Garten anfällt, ist endlich mal genug Zeit zum Lesen! Neue Inspirationen für die nächste Saison, Literarisches rund um den Garten, besinnliche Gedanken zur persönlichen Philosophie des Gärtnerns - in diesem Ratgeber empfehlen wir besondere Gartenbücher abseits seichter Massenware. Auch eine kleine Liste attraktiver Gartenblogs fehlt nicht, denn auch für den Austausch unter Gartenfreunden bleibt im Winter deutlich mehr Zeit.

Für Sie gelesen und kurz rezensiert haben wir folgende Bücher:

Darunter finden Sie auch noch unsere Liste lesenswerter Gartenblogs.
Wir wünschen viel Spaß beim Schmökern und Stöbern!

Deutscher Gartenbuchpreis 2017: Die Philosophie des Gärtnerns

Ein großartiges Buch, das den Gartenbuchpreis in der Kategorie Gartenprosa wahrlich verdient hat! Ein Buch für philosophierende Gärtner und gärtnernde Philosophinnen. Und für alle, die gerne Harke und Spaten in die Hand nehmen und in den Garten gehen.

Philosophie des Gärtnerns - Buchcover

Die Herausgeberin Blanka Stolz versammelt Beiträge sehr unterschiedlicher Autorinnen und Autoren, die das Gärtnern aus entsprechend verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Die einschließlich des Vorworts 14 Beiträge tragen so interessante Titel wie „Lob des Unscheinbaren“, „Ein Plädoyer fürs Unkraut“, „Zur Metaphysik des Gartens“ oder „Zum Grünen Daumen gehört die Faust“, aber auch „Gardening is Commoning“ oder „Gärtnern am Puls der Zeit“.

Kurzum: wie bei kaum einem Gartenbuch ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass für jeden etwas dabei ist. Dem Titel entsprechend geht es auch ums Grundsätzliche, die Fragen nach Sinn und Ziel des Gärtnerns:

„Nutzgärten, Moosgärten, Botanische Gärten, Landschaftsgärten … die Vielfalt dessen, was wir unter Gärten verstehen, ist groß. Und damit auch die Art und Weise, wie man einen Garten pflegt. Doch warum gärtnert man überhaupt? Sollte man die Natur nicht besser einfach sich selbst überlassen, anstatt einzugreifen und einen weiteren künstlichen Raum zu schaffen? Oder lassen sich umgekehrt, etwa durch Urban Gardening, Räume in der Stadt für die Natur zurückgewinnen?“

Es macht Spaß, in diesem Buch erst mal zu stöbern, doch liest man sich in den Beiträgen schnell fest. Eine uneingeschränkte Empfehlung für alle Gartenfreunde und solche, die es werden wollen!

Blanka Stolz (Hg.)
Die Philosophie des Gärtnerns
Hardcover mit Lesebändchen & Titelprägung
224 Seiten, 2-farbig
ISBN 978-3-938539-43-9
E-Book: ISBN 978-3-938539-78-1

Mit Beiträgen von Brunhilde Bross-Burkhardt (Agrarwissenschaftlerin und Fachjournalistin) Severin Halder (Gartenaktivist), Judith Henning (Permakultur-Designerin) Annette Holländer (Samengärtnerin und Naturpädagogin), Miriam Paulsen (Schrebergärtnerin) Dagmar Pelger (Architektin), Maximilian Probst (Clemens-Brentano-Preisträger, Autor für ZEIT und taz), Roberta Schneider (Autorin), Sarah Thelen (Autorin), Kristina Vagt (Historikerin) Nicole von Horst (Internetaktivistin),Elke von Radziewsky (Autorin), Dieter Wandschneider (Professor für Philosophie)
zur Buchseite im Mairisch Verlag

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Das Wildpflanzentopfbuch
– Ausdauernde Arten für Balkon, Terrasse und Gärten

1,2 Kilo hält man schon in Händen, wenn man sich in dieses erstaunlich andere Kompendium vertieft. Dr. Reinhard Witt, seines Zeichens naturnaher Grünplaner, lädt zur Revolution auf Balkon und Terrasse ein: Weg mit den empfindlichen, jährlich neu zu kaufenden Zierpflanzen aus Baumarkt und Gartencenter, hin zu heimischen Wildpflanzen, die bleiben dürfen!

Was für eine gute Idee, nicht nur für Naturfreunde, sondern auch für „faule“ Balkongärtner, die nicht ständig neu pflanzen wollen. Ebenso für Umweltbewusste, die keinen Bock auf überflüssigen Konsum und chemische Keule haben.

„Die Topfgärtnerei mit heimischen Arten ist einfach, kostengünstig und macht wenig Arbeit“ heißt es lapidar im Klappentext des 392 Seiten starken Werks, das derzeit in der 4. Auflage erhältlich ist. Was sich dann zwischen den stabilen Buchdeckeln entfaltet, ist die kumulierte Erfahrung aus 24 Jahren Topfgärtnerei. Also kein mal eben oberflächlich zusammen gegoogeltes Trendbuch, wie sie jedes Jahr zu grade gängigen Themen erscheinen, sondern ein Standardwerk, mit dem man sofort loslegen und Jahrzehnte lang weiter machen kann.

Buchcover: das WildpflanzentopfbuchNach den einführenden Kapiteln folgt geballtes KnowHow in der „Topfgartenpraxis – gewusst wie“, dann der riesige Mittelteil mit Pflanzbeispielen, der unterteilt ist in

  • Einjährige,
  • Ausdauernde,
  • Duftpflanzen,
  • Wildkräuter,
  • Sumpf- und Wasserpflanzen,
  • Farne,
  • Gräser.
  • Zwiebeln und Knollen,
  • Kleingehölze und Kletterpflanzen.

Die Texte sind nicht nur sehr informativ, sondern gelegentlich auch überraschend, denn der Autor erzählt auch, wie sich so manches aus Sicht der Pflanze bzw. eines Insekts darstellt. Auch Klimawandel und Naturschutz sind Themen, die auch im Topf- und Balkongarten eine Rolle spielen und im Buch nicht fehlen. Das Buch ist für alle, die auf Balkon und Terrasse Neuland betreten wollen, aber ebenso nützlich für alle, die für den eigenen Garten nach heimischen Pflanzen suchen, die zum Standort passen und nicht ständig "gepäppelt" werden müssen.

Das Wildpflanzentopfbuch – Ausdauernde Arten für Balkon, Terrasse und Gärten
nachhaltig – pflegeleicht – lebendig & tierisch gut
Verlag Naturgarten,
4. komplett überarbeitete und erweiterte Auflage, Ottenhofen 2017.
392 Seiten und 720 Fotos. Zahlreiche Tabellen.
Format 176 x 228 mm, gebunden.
ISBN 978-3-00-021048-8.
Zur Buchseite mit Leseprobe im Naturgarten-Verlag.

 

Die Tage des Gärtners: Vom Glück, im Freien zu sein

"Dieses Buch handelt von meinem Garten und allem, was darin ist. Nicht mehr und nicht weniger."

So beginnt das Gartenbuch von Jakob Augstein, das mittlerweile als preisgünstiges Taschenbuch erhältlich ist. Zweifellos lebt das 286 Seiten starke Werk zunächst vom Promifaktor: Man kennt den Autor als Herausgeber des FREITAG und aus unterhaltenden TV-Formaten wie "Augstein und Blome". Dass der eloquente Journalist ausreichend Zeit für einen Garten findet und sogar ein Buch darüber schreibt, macht neugierig.

Die Tage des Gärtners - Buchcover

Wer der Neugier folgt, taucht ein in Augsteins sehr persönliche Sicht des Gärtnerns, die er jedenfalls unterhaltsam zu vermitteln versteht. Augstein beschreibt nicht nur, er witzelt, lästert, klagt, jammert und philosophiert. Dazu bindet er unzählige Zitate ein: von Ovid über Hölderlin bis Brecht, von Rilke, Thomas Bernhardt, Oscar Wilde, Cézanne, E.T.A. Hoffmann oder Goethe.

Die gärtnerische Philosophie, die bei alledem zu Tage tritt, ist dem derzeit beliebten "naturnahen Gärtnern" geradewegs entgegen gesetzt. Augstein versteht den Garten als ein Gesamtkunstwerk aus seinem ureigenen Willen, das mit viel Arbeit, großformatigen Eingriffen und auch mit der chemischen Keule umgesetzt wird.

"Macht Euch die Erde untertan" steht ja bereits in der Bibel, Augstein macht sich daran, dem Auftrag auf 1400 Quadratmeter Gartenland nachzukommen - eine Fläche, die er als "klein" beschreibt. Es spricht für den Autor, dass er nicht nur über die Erfolge seines Schaffens berichtet, sondern auch sein Scheitern nicht verschweigt, seine Verletzungen und größten Flops: etwa mit dem Gartenteich, in dem die Fische nicht lange überlebt haben.

Das Lesevergnügen wird im Übrigen durch die zu vielen Widersprüchen anreizende Agenda nicht getrübt. Auch Freunde des natürlicheren Gärtnerns könnten mit diesem sehr subjektiven Buch Spaß haben, denn als Gartenratgeber sollte man es sowieso nicht lesen. Auf jeden Fall ist das Buch einzigartig, passt nicht zum Mainstream der vielen "Gärtnern leicht gemacht"-Bücher - und ist uns deshalb eine Empfehlung wert!

Jakob Augstein:
Die Tage des Gärtners - Vom Glück, im Freien zu sein
Illustriert von Nils Hoff
dtv Ratgeber / Taschenbuch
272 Seiten, ISBN 978-3-423-34775-4
zur Buchseite bei dtv

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Jungpflanzen erkennen: Wird das was oder kann das weg?

Alle Gartenfreunde, die naturnah gärtnern, wilde Ecken oder einzelne Wildstauden wachsen lassen, kennen das Problem: Man möchte schon gerne heimische Wildpflanzen wachsen lassen, aber nicht unbedingt diejenigen, die sowieso massenweise kommen.

Buchcover: Wird das was oder kann das weg?Das Problem: wie soll man die selteneren Exemplare erkennen? Pflanzenbestimmungsbücher zeigen fast immer nur die ausgewachsene Pflanze, ihre Blüten, Blätter und Früchte. Wir müssen es aber viel früher wissen, um zu entscheiden, ob das kleine grüne Pflänzchen groß werden darf oder weichen muss.

Bärbel Oftring ist es zu verdanken, dass das fehlende Wissen endlich zur Verfügung steht. In ihrem ansprechend gestalteten Buch "Wird das was oder kann das weg?" stellt sie 100 Gartenpflanzen vor, die sich selbst aussähen, und zwar in jeweils drei Wachstumsstadien:

  • frisch ausgetrieben,
  • nach 2 - 3 Wochen
  • und als erwachsene Pflanze.

Die Bestimmung der Jungpflanzen macht die Autorin einfach, indem die Pflanzenportraits nach der Form der allerersten Blätter sortiert sind: rundlich, länglich oder mehrteilig. Selbst totale Gartenneulinge können das gut erkennen. Hat man die Pflanze dann gefunden, zeigen grafische Symbole an,

  • ob die Pflanze essbar ist,
  • attraktive Blüten hat,
  • wertvoll für die heimische Tierwelt ist,
  • Gift enthält
  • oder einen starken Ausbreitungsdrang hat.

Das sind genau die Kritierien, die man braucht, um die Pflanze zu beurteilen und kundig über ihren Verbleib zu entscheiden. Neben den detaillierten Pflanzenportraits wird in einem weiteren Kapitel dann noch Basiswissen über naturnahes Gärtnern vermittelt. Alles in allem ein nützliches, rundum gelungendes Gartenbuch!

Bärbel Oftring: Wird das was oder kann das weg?
144 Seiten, 307 Farbfotos,
10 Farbzeichnungen, Bindeart: 2 Klappen
ISBN: 9783440153031 EAN: 9783440153031

Zur Buchseite mit Leseprobe beim Kosmos-Verlag

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Abendländische Gartenkultur – Die Sehnsucht nach Landschaft

In diesem anspruchsvollen Sachbuch des Garten- und Landschaftsarchitekten Jochen Wiede geht es um die Beziehung zwischen Mensch, Natur und Landschaft, wie sie in der jeweiligen Gartenkultur seit der Antike zum Ausdruck kam. Aus dem Klappentext:

„Gebaute Umwelt bedarf der Ergänzung durch Natur und dazu kann die Garten- und Landschaftskunst einen Beitrag leisten. Mehr denn je ist der Mensch zu einem bewussten Umgang mit der Natur aufgefordert, da ein verklärtes und illusionäres Bild von ihr nicht mehr genügt und ihre Endlichkeit zum Qualitätsmaß unserer Lebenswelt wird.“

Buchcover: abendländische GartenkulturGeballtes historisches Wissen über die verschiedenen Stilepochen entfaltet sich auf 256 Seiten: Der antike Hausgarten, maurische Gartenkultur, die frühen Gärten Frankreichs, deutsche Landschaftsgärten und Parks in Nordamerika sind nur einige aus der Vielzahl historischer Beispiele, die der Autor bespricht. Auch die Trends der Moderne und Postmoderne bis hin zu den Werken von Landschaftskünstlern wie Christo and Jeanne-Claude fehlen nicht.

Wer sich für Gartengestaltung und die Inszenierung von Natur in der Stadt im Lauf der Geschichte interessiert, wird aus dem Buch viele Erkenntnisse schöpfen. Eine Scheu vor langen Texten darf man allerdings nicht mitbringen: Für die mit vielen Namen, Fakten und Daten angereicherten Kapitel hätte man sich ein etwas lockereres Buchdesign gewünscht!

Dennoch: für Wissenshungrige ein schier unerschöpflicher Fundus, der mittels der vergangenen Wünsche und Träume rund ums Grün in der Stadt, in Gärten und Parks beim Verstehen dessen hilft, was uns heute umtreibt - oder eben nicht mehr.

Jochen Wiede:
Abendländische Gartenkultur - Die Sehnsucht nach Landschaft seit der Antike
256 S., 140 farbige und s/w Abbildungen.
gebunden mit Schutzumschlag, 17 x 24 cm
ISBN: 3737410127 - EAN: 9783737410120
Zur Buchseite beim Marix Verlag

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Lesenswerte Gartenblogs - einfach mal besuchen!

Diese Liste besuchenswerter Blogs ist naturgemäß subjektiv und unvollständig. Da draußen in den Weiten des Internets gibt es so viele schöne Gartenblogs, dass man unmöglich allen gerecht werden könnte. Wir haben spontan entschieden, wobei sowohl der Inhalt als auch die Optik der Auserwählten dazu beiträgt, hier vertreten zu sein. Aber keine Sorge: es ist zwar die erste, aber sicher nicht die letzte Blogliste, die im VIVANNO-Journal erscheint!

  • Die Gartenbuddelei - Anja ist begeisterte Hobbygärtnerin und gärtnert im westlichen Münsterland auf ca. 400 qm Gartenfläche, die sie mit viel Liebe und Hingabe beackert. Spektakuläres Highlight des Blogs ist ihr Knotengarten: ein komplizierter "Knoten" aus Buchsbaum, dessen Wachsen und Werden man Schritt für Schritt besichtigen - und bei Bedarf nachmachen kann.
     
  • Kistengrün - ein überaus aktives und vielseitiges Blog über den Gemüseanbau auf dem Balkon. Melanie bloggt seit  Februar 2014  und zeigt, was sie auf ihrem sechs Quadratmeter großen Balkon so alles anbaut. Mitten in der Stadt, auf engstem Raum, auf der Fensterbank und im ebenfalls nicht großen Hinterhof. Auch was man aus der Ernte Leckeres machen kann, bekommt im Blog seinen Platz. Macht richtig Lust auf Balkongarten!
     
  • Staudenflüstern - Edith bloggt seit 2015 über ihren Blumen- und Staudengarten, erzählt aber auch viel Persönliches aus ihrem Leben. Es ist insofern ein Blog der "alten Art", nämlich eine Art Gartentagebuch, das nach Lust und Laune geführt wird. Dabei schaut Edith aber durchaus über den Tellerrand, denn sie besucht andere Gärten, fotografiert und stellt sie auf ihrer Seite "Gartenträume" vor. Dort kann man Stunden verbringen und all die verschiedenartigen Gärten besichtigen - wirklich sehr schön!
     
  • Das wilde Gartenblog - ein Blog für faule Gärtner und über die Liebe zu allem, was wächst. Eines der ersten Blogs zum naturnahen Gärtnern, das schon seit 2006 existiert.  Claudia und Matthias brechen eine Lanze fürs entspannte Gärtnern: zwar durchaus Gemüse anbauend, jedoch in Interaktion mit allem, was da von alleine wachsen will. Tierleben, Pflanzen, Nachhaltigkeit, aber auch "kleingärtnerische Nutzung" sind Themenschwerpunkte im Blog, denn all das findet in einer ganz normalen Kleingartenanlage statt.
     
  • Freisinger Gartenblog - Erfahrungen und Tipps von Aussaat bis Zucchini. Gartenblogger Hannes ist gärtnerisch sehr engagiert: Gartenpraxis, Gartenplanung und Gartenliteratur sind seine Themen, wobei er auch sehr konkret wird. Den eigenen Gemüseanbau zeigt er im Detail, wer also richtig reinschauen will, in einen zur Selbstversorgung genutzten Garten, ist hier richtig!
     
  • Katrinsgarten - Garten und Kreatives.  Der Untertitel ist Programm, denn Kathrin Kock ist nicht nur Gartenfreundin, sondern auch Keramikerin. Ihre Vogelhäuschen sehen einfach super aus, aber auch sonst gibts in diesem Blog viel Schönes zu sehen. Eigene Projekte wie die "Doppelborder" - eine gemischte Rabatte aus Sträuchern, Gräsern, Rosen, Stauden und Einjährigen - kann man nur bewundern.

 

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