Ratgeber
Winter - Symbolbild

Kübelpflanzen überwintern - Pflanzkübel winterfest machen

Wenn die ersten Nachtfröste drohen, ist es an der Zeit, die kälteempfindlichen Kübelpflanzen ins Winterquartier umzuziehen. Aber welche Räume eignen sich? Wie warm, kühl, dunkel oder hell sollte es dort sein? Diese und viele weitere Fragen rund um die richtige Überwinterung verschiedenartiger Kübelpflanzen beantwortet dieser Ratgeber.

Die allermeisten Pflanzen, die wir in Pflanzkübeln halten, stammen aus mediterranen und subtropischen Ländern. Zwar kommen sie mit dem Klima in unseren gemäßigten Breiten vom Frühjahr bis zum Herbst gut zurecht, doch kalte Winter mit Frost, Schnee und Eis halten sie nicht aus. Um uns dennoch an ihnen zu erfreuen, müssen wir sie in einer geschützten Umgebung überwintern: In einem Winterquartier, das ihnen eine Winterpause ermöglicht, wie es ihrer jeweiligen Konstitution entspricht.

Dass die Ansprüche an dieses Überwinterungsquartier leider nicht bei allen Kübelpflanzen gleich sind, macht die Dinge ein wenig kompliziert. Einige Pflanzen können sogar draußen überwintern, ein guter Winterschutz voraus gesetzt. Ganz vergessen darf man sie dann aber auch nicht: Alle Kübelpflanzen brauchen vor und während der Überwinterung Pflege, wenn auch nicht soviel wie im Sommer. 

In diesem Ratgeber finden Sie Informationen rund um die folgenden Themen:

Die Pflege vor dem Einwintern

Um den Kübelpflanzen eine optimale Winterpause zu ermöglichen, sollte man Ende September das Düngen einstellen. Zum Herbst und Winter hin verlangsamen sie ihren Stoffwechsel, da wäre weiteres Düngen eher kontraproduktiv.

Vor dem Umzug ins Winterquartier bleibt dann noch zu tun:

  • Prüfung der Drainage: Läuft das Wasser immer noch gut ab? Sollten die Abflusslöcher zugewachsen sein, einfach wieder frei schneiden, zur Not aufbohren. Zum Umtopfen ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, also muss diese Maßnahme reichen.

  • Gesundheitscheck: Nur gesunde Pflanzen kommen ins Winterquartier, also sollten Schädlinge und Krankheiten rechtzeitig bekämpft oder die Pflanzen ausgesondert werden. Im Winterquartier würde sich die Situation verschlimmern, andere Pflanzen könnten angesteckt werden, die Schädlinge sich weiter verbreiten.

  • Ausputzen: Abgestorbene Pflanzenteile entfernen, ebenso kränkliche und verletzte Triebe und Zweige.

  • Rückschnitt: Vor dem Einräumen ca. um ein Drittel zurück schneiden. So bleibt genug übrig, um bei weniger optimaler Überwinterung (zu warm, zu dunkel) im Frühjahr noch einmal beschneiden zu können. Stärker zurück geschnitten werden nur Gewächse, die am einjährigen Holz blühen wie z.B. die Engelstrompete. Gar nicht zurück schneiden sollte man Pflanzen, die bereits dieses Jahr die Blütenanlagen fürs nächste Jahr gebildet haben (z.B. Oleander).

Das Winterquartier und die Ansprüche der Pflanzen

Wer über einen kühlen, frostfreien Wintergarten oder ein Gewächshaus verfügt, in dem durchweg Temperaturen zwischen 5 bis 10 Grad herrschen, hat ein ideales Winterquartier für die meisten gängigen Kübelpflanzen. Daneben eignen sich auch die folgenden Räumlichkeiten unter Umständen (!) für die Überwinterung:

  • ein unbeheizter Wohnraum
  • der Keller
  • das Gartenhaus
  • die Garage
  • das Treppenhaus

Ob sich ein Raum eignet, kommt auf die Ansprüche der Pflanzen an, die man überwintern will. Sie benötigen unterschiedliche Wintertemperaturen und - in Abhängigkeit davon - auch unterschiedlich viel Helligkeit und Feuchtigkeit bzw. Bewässerung. Man unterscheidet

  • Kalthaus-Pflanzen, die bei kühlen Temperaturen über Null bis 10 bzw. unter 12 Grad überwintern, z.B. mediterrane Pflanzen.
  • Pflanzen für das temperierte Haus, meist Pflanzen aus den Subtropen, für die  12 bis 18 Grad ideal sind.
  • Warmhaus-Pflanzen, die durchs ganze Jahr angenehme 18 bis 25 Grad benötigen. Dazu gehören die meisten unserer Zimmerpflanzen, die aus den Tropen stammen  und  keine Winterpause kennen.

Die Überwinterung der meisten Kübelpflanzen spielt sich also in kühlen, frostfreien Räumen mit mehr oder weniger Licht ab. Grundsätzlich gilt: Je kühler die Überwinterungstemperatur, desto dunkler darf der Raum sein. Warum? Wenn die Pflanzen nicht genügend Licht bekommen (im Winter ist hierzulande immer zu wenig Licht!), werden sie durch kühle Temperaturen darin unterstützt, ihren Stoffwechsel herunter zu fahren. Ist es zu warm und zu dunkel, gelingt ihnen das nicht und sie treiben kränkliche lange Triebe mit winzigen Blättern aus: sie "vergeilen".

Betrachten wir mit diesem Wissen noch einmal die möglichen Räumlichkeiten:

  • Der Wohnraum muss schon sehr kühl sein, um für die Kalthaus-Pflanzen in Betracht zu kommen. In Mietshäusern sinkt die Temperatur selbst in einzelnen unbeheizten Räumen selten unter 15 Grad. Das passt für die subtropischen Pflanzen, ist aber für die meisten Kübelpflanzen im Winter zu warm.
     
  • Das Treppenhaus kommt schon eher in Betracht, sofern es genügend Platz für Pflanzen gibt und man die Erlaubnis hat, dort Pflanzen aufzustellen.
     
  • Keller, Garage und Gartenhaus sind geeignet, sofern dort kein Frost zu erwarten ist - eine Situation, die man z.B. mit einem Frostwächter leicht erreichen kann.

Stimmt die Temperatur, ist jedoch noch der Lichtbedarf zu berücksichtigen:.

  • Kübelpflanzen, die ihr Blattwerk nicht abwerfen, benötigen auch im Winter Licht, da sie weiterhin Photosynthese betreiben, wenn auch auf Sparflamme. Fensterlose Räume kommen also nicht in Betracht, es sei denn, man installiert extra Pflanzenlampen mit Zeitschaltuhr. Moderne Gartenhäuser mit großen Fenstern, ein Standort am Treppenhausfenster oder ein Kellerraum mit Fenster sind dagegen als Winterquartier durchaus nutzbar.
     
  • Einige Laub-abwerfenden Arten können jedoch auch in dunklen, sehr kühlen Räumen überwintern, also auch im fensterlosen Keller, im Gartenhaus oder in der Garage.

Beispiele für die Überwinterung beliebter Kübelpflanzen

Angesichts der schier unüberschaubaren Vielfalt der Kübelpflanzen würde es den Rahmen dieses Ratgebers sprengen, wollten wir Angaben zur Überwinterung aller erhältlichen Pflanzen machen.  Es folgen daher nur einige Beispiele für beliebte Arten, die wir durch weiter führende Links ergänzen.

  • Bei kühlen 5 bis 10 Grad und möglichst viel Licht überwintern Bougainvilleen, Eukalyptusbaum, Oleander, Olive, Wandelröschen, Phoenixpalmen, Agaven, Lorbeer, Zylinderputzer und alle Zitruspflanzen wie Zitrone, Orange, Mandarine, Kumquat, Limette oder Buddhas Hand.
     
  • Kühle 0 bis 5 Grad und wenig Licht genügen für Myrte, Sternjasmin, Wollmispel, Cassia und Zylinderputzer. Sie kommen auch relativ dunkel gestellt gut über den Winter.
     
  • Bei 5 bis 10 Grad im Dunklen überwintern Myrte, Gewürzrinde, ganz herunter geschnittene Engelstrompeten, Enzianstrauch, Wandelröschen, Dipladenie, Feige, Fuchsie, Bleiwurz, Granatapfel, Jasmin, Kaki und Kreppmyrte.
     
  • Wärmere Temperaturen (über 16 Grad) und helle Räume brauchen Ficus benjamini, Zimmer-Hibiskus, Zwergdattelpalme, Zierbanane, Papaya, Passionsfrucht, Großblütige Thunbergie und der Kaffeestrauch.
     

Ausführliche Listen mit den Überwinterungsbedingungen einzelner Kübelpflanzen finden Sie bei der Wendt Gartenpension und im Gärtnerblog.

Tipp: Mitunter liest man bezüglich einzelner Pflanzen verschiedene Temperaturangaben für die Überwinterung (deshalb: alle Angaben ohne Gewähr!). Dies entspricht den unterschiedlichen Erfahrungswerten, die Gartenfreunde mit diesen Pflanzen tatsächlich machen konnten. Mehr noch: Eine importierte Pflanze benötigt eventuell eine höhere Überwinterungstemperatur als eine derselben Art, die hierzulande aufgezogen wurde. Fragen Sie also nach, bevor Sie kaufen, insbesondere bei teuren, wertvollen Kübelpflanzen!

Die Pflege im Winterquartier

Abhängig von Temperatur und Lichtverhältnissen benötigen die Kübelpflanzen im Winterquartier unterschiedlich viel Zuwendung.

  • Bewässerung:  Je heller und wärmer die Pflanze steht, desto mehr Stoffwechsel findet statt, also braucht sie auch häufiger Wasser. Über die Blätter verdunstet sie auch im Winter Feuchtigkeit, wenn auch deutlich weniger als während der Wachstumsphase. Aber auch blattlose, ganz dunkel stehende Pflanzen benötigen ein Minimum an Wasser. Je nach Standort einmal pro Woche bis einmal alle 14 Tage bis drei Wochen Gießen sollte reichen. Bevor Sie zur Gießkanne greifen, sollten Sie mit dem Finger das Substrat prüfen. Es sollte nur gegossen werden, wenn der Erdballen schon weitgehend trocken ist. Zuviel Gießen ist gefährlicher als zu wenig, da die Wurzeln faulen können, wenn die Pflanze das Wasser nicht aufnimmt. Auch die Blätter sollten trocken bleiben, da sonst Pilze leichtes Spiel haben.
     
  • Belichtung:  Putzen sie vor dem Einwintern die Fenster, entfernen Sie Vorhänge und streifen Sie während der Wintermonate gelegentlich das Kondenswasser ab. Sowohl Staub als auch Wasser vermindern den für helligkeitsbedürftige Pflanzen so nötigen Lichteinfall.
     
  • Belüftung:  Gelegentliches Lüften des Raums an frostfreien Tagen tut den Pflanzen gut und wirkt der Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten entgegen.
     
  • Kontrolle:  Prüfen Sie die Pflanzen regelmäßig auf Krankheiten und den Befall mit Schädlingen. Die Überwinterung schwächt viele Pflanzen, insbesondere wenn die Bedingungen nicht ganz optimal sind. Wie Sie im Fall des Falles Wolläuse, Schildläuse, Spinnmilben und andere ungebetene Gäste erkennen und bekämpfen, lesen Sie im Artikel Winter-Schädlinge auf Kübelpflanzen auf  "Mein schöner Garten" .
     
  • Stress vermeiden: Drehen und Umstellen bedeutet für die Pflanzen Stress, den sie im Winterquartier schlechter verkraften als sonst. Wenn möglich, lassen Sie sie ganz in Ruhe an ihrem Platz stehen!
     
  • Ausputzen: Entfernen Sie abgestorbene Blätter und verwelkte Blüten, um Krankheiten vorzubeugen. Auch Geiltriebe können Sie zurück schneiden, da diese gerne von Blattläusen befallen werden.

Die Alternative: Überwintern in der Gärtnerei

Wer gar keine passende Räumlichkeit für die Überwinterung hat, muss auf exotische und mediterrane Kübelpflanzen dennoch nicht verzichten. Viele Gärtnereien bieten einen Überwinterungsservice an, der den Pflanzenfreunden alle Sorgen abnimmt. Je nach Ausgestaltung des Servicevertrags umfasst die Dienstleistung

  • das Abholen und Wiederbringen der Kübelpflanze,
  • das Überwintern in für die Pflanzen optimalen Räumlichkeiten,
  • auf die jeweilige Pflanze abgestimmte Pflege (Gießen, Düngen, Schädlingsbekämpfung, soweit erforderlich),
  • fachgerechter Beschnitt und Düngen mit Langszeitdünger im Frühjahr vor der Auslieferung.

Die Preise berechnen die Gärtnereien nach der Standfläche, die die Pflanzen einnehmen. Hinzu kommen Extras wie Abholen und Bringen bzw. aufwändigere Pflegemaßnahmen. Kein ganz billiger Service, aber bei großen und wertvollen Kübelpflanzen durchaus eine bedenkswerte Alternative.

Draußen überwintern: Pflanzkübel winterfest machen

Für die Überwinterung im Freien eignen sich ausschließlich winterharte Kübelpflanzen. Die Bezeichnung „winterhart“ bedeutet jedoch nicht immer, dass sie ohne jeden Schutz die stärksten Fröste überstehen. Auch wenn gut winterharte Arten die Kälte im Prinzip tolerieren: Starke Temperaturschwankungen schaden den Pflanzen, wenn etwa tagsüber die Sonne den Pflanzkübel oder Blumentopf erwärmt und nachts wieder eisiger Frost herrscht. Wenn möglich, wählen Sie einen etwas geschützten schattigen Standort, um solche Extreme zu vermeiden! Wenn Sie die Pflanzen eng zusammen rücken und dicht an einer Hauswand platzieren, sind sie der Witterung weniger ausgesetzt und dadurch besser geschützt.

Um Erfrieren und Fäulnisschäden zu vermeiden, benötigen die meisten Kübelpflanzen in unseren Breiten allerdings mehr als nur  einen günstigen Standort, der zudem nicht überall zur Verfügung steht.  Ein effektiver Winterschutz ist unerlässlich, sowohl gegen Kälte von unten als auch rund um den Kübel herum.

Tipp: Bevor Sie Ihre Kübelpflanze verpacken, kontrollieren Sie die Abflusslöcher ! Sind diese über den Sommer zugewachsen, einfach die heraus stehenden Wurzeln abschneiden und das Loch frei bohren. Dass dabei ein paar Wurzeln beschädigt werden, kann die Pflanze locker wegstecken – ein funktionierender Abfluss, der Staunässe verhindert, ist auch beim Überwintern unverzichtbar.

Als Frost- und Kälteschutz empfehlen wir folgende Möglichkeiten:

  • Eine Schicht Tannengrün um den Kübel wickeln und mit Draht befestigen - die klassische Methode, jedoch nur günstig, wenn man die Zweige nicht kaufen muss.

  • Winterschutzmatten aus Schafwolle, Jutefilz oder Kokosgewebe, wie sie der Handel anbietet, eignen sich ebenso gut und sind leichter anzubringen.

  • Frostschutz-Übertöpfe, Hauben und Säcke aus Jute und Kokos sind in verschiedenen Größen erhältlich, die auch als winterliche Deko hübsch aussehen.

  • Ökologisch und preiswert: einen Jutesack 10 cm hoch mit Laub füllen, das Pflanzgefäß auf diese Unterlage stellen und bis 10 cm über der Erde mit Laub auffüllen.

  • Luftpolsterfolie sollte nur in besonders harten Wintern zum Einsatz kommen, da sie aus nicht abbaubarem Kunststoff besteht und nicht wiederverwendbar ist.

  • Gegen Kälte von unten: den Pflanzkübel auf Holzlatten oder eine Styroporplatte stellen. Das verhindert das Einfrieren der Wurzeln.

Mit diesen vielfach bewährten Schutzmaßnahmen sind Ihre Kübelpflanzen gut für den Winter gerüstet. Welche Pflanzkübel sich grundsätzlich für die Aufstellung im Freien eignen und Frost locker wegstecken, lesen Sie in unserem Ratgeber Pflanzkübel wetterfest: Welche Kübel eignen sich für draußen?

Fragen und Antworten zur Überwinterung von Kübelpflanzen

Sie haben Fragen zur Überwinterung Ihrer Kübelpflanzen? Nutzen Sie das Kontaktformular oder rufen Sie an. Fragen und Antworten zum Thema, die den Artikel ergänzen, veröffentlichen wir künftig in diesem Bereich.

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